Portrait

Gerhard Stäbler, 1949 im süddeutschen Wilhelmsdorf bei Ravensburg geboren, studierte Komposition (bei Nicolaus A. Huber) und Orgel (bei Gerd Zacher) in Detmold und Essen und lebt seither als freischaffender Komponist - zunächst im Ruhrgebiet und seit Mitte 2011 in Düsseldorf und am Niederrhein.

In erster Linie ist Stäbler Komponist und schreibt Musiktheater- Orchester-, Kammermusik-, Solowerke und Performances. Ur- und Erstaufführungen fanden in den letzten Jahren u.a. im norwegischen Bergen (Borealis Festival und Bergen International Festival), in Bremen (Premiere The Drift, Tanztheater), Breslau (Weltmusiktage der IGNM), Dresden, Düsseldorf (MuziekBiennale Niederrhein), Tokio (Music Documents 13), Karlsruhe (Festival ZeitGenuss, ZKM-Festival Piano plus), Frankfurt (hr-Sinfonieorchester), Kiew, Mülheim an der Ruhr (Festival Utopie jetzt!), im niederländischen Tilburg, in Ulm (Premiere des Musiktheaters Erlöst Albert E.), beim WDR Köln (Reihe Ensemble Europa), an der Norske Opera Oslo (Premiere und Wiederaufnahmen der Jugendoper  Simon) und beim Festival Acht Brücken. Musik für Köln statt.

Als Auftrag der Kunststiftung NRW und des Mainfranken Theaters Würzburg entstand das Konzert für Orchester Ausgewilderte Farben, das im Frühjahr 2017 durch das Philharmonische Orchester Würzburg uraufgeführt wurde. Bereits im April 2015 feierte das Musiktheater The Colour (nach HP Lovecraft) eine erfolgreiche Premiere am Mainfranken Theater Würzburg.

Ausgedehnte Gastspielreisen führten ihn in den letzten Jahren gemeinsam mit seinem Partner Kunsu Shim als Komponist, Lehrer und Performancekünstler nach Island, Japan, Korea, Norwegen, Portugal und sowie in die USA und nach Südamerika. Im Oktober 2017 reist er auf Einladung der Universität Uruguay zu einem mehrwöchigen Kompositions-Meisterkurs nach Montevideo.  

Von 2000 bis 2010 leiteten Gerhard Stäbler und Kunsu Shim das Duisburger Zentrum für zeitgenössische Musik EarPort, wo sie ihr originäres Konzept der PerformanceMusik weiter entwickelten und vertieften. Seit 2012 konzipierten die beiden Komponisten das Projekt CAGE 100 für die Tonhalle Düsseldorf, eine Serie von PerformanceKonzerten an der Kunsthalle Düsseldorf und die Konzertreihe Natürlich schön! mit Interaktionen zwischen alter und neuer Musik im Düsseldorfer Schloss Benrath. 

Im Oktober 2015 konnte der EarPort als als Ort experimenteller Begegnung zwischen den Künsten  wiedereröffnet werden. Seitdem werden interdisziplinäre Konzepte auch in Kooperation mit Partnern wie dem Schlosstheater Moers ( Frequenzen-Resonanzen), der GROSSEN Kunstausstellung NRW im Kunstpalast Düsseldorf ( Donnerhall) oder der Diözese Würzburg ( Im Gegenüber) umgesetzt. 2017 gestaltet Gerhard Stäbler – u.a. in Zusammenarbeit mit Kunsu Shim – Performancekonzerte u.a. in Trier (opening 17), Duisburg, Essen, Bergen (Norwegen), Würzburg, Dresden, bei der Documenta in Kassel, an der Kunstuniversität Graz und bei den Prenninger Resonanzen (Österreich).       

Die aktuelle Thematik der Flüchtlingspolitik griff Stäbler im Tanztheater „… auf dem Weg. Eine Entdeckungsreise“ auf, das mit dem Projektpreis Kinder- und Jugendkulturland NRW 2015 ausgezeichnet wurde, sowie im Projekt THE RAFT - DAS FLOSS nach dem Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss.

Die Liste der Veröffentlichungen über Stäblers Schaffen wurde 2015 durch Paul Attinellos Gerhard Stäbler. "live / the opposite / daring" – music, graphic, concept, event um einen bedeutenden Beitrag erweitert.

Neben seiner kompositorischen Tätigkeit engagiert sich Stäbler auch politisch sowie als Kurator und Organisator spartenübergreifender Projekte. Er konzipierte die Aktive Musik-Festivals mit Neuer Musik und war im Jahr 1995 künstlerischer Leiter der Weltmusiktage der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik im Ruhrgebiet. Immer wieder initiiert er große musikalische Projekte im öffentlichen und industriellen Raum – wie z. B. während der RuhrWorks 1989 in New York, den las jornadas de arte contemporanea in Porto (Portugal), 1997 und 1999 während der Internationalen Bauausstellung im Ruhrgebiet, 2008 im Landschaftspark Duisburg, 2010 im Auftrag des Goethe Instituts der Ukraine auf dem Andreas-Steig im Zentrum Kiews, 2011 zusammen mit Kunsu Shim in der Philharmonie Essen und in Vilnius.

Eine lange Reihe von Auszeichnungen (u.a. mit dem Cornelius Cardew Memorial Prize 1982, Duisburger Musikpreis 2003), von Stipendien (u.a. Japan Foundation, Djerassi Foundation/Kalifornien, Land Niedersachsen, ZKM Karlsruhe), von Kompositionsaufträgen (darunter Wittener Tage für neue Kammermusik, Donaueschinger Musiktage, Musica Viva des Bayerischen Rundfunks, Festival Mouvement des Saarländischen Rundfunks) und Einladungen als Composer-in Residence (z.B. Three Two New York, Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, Borealis Festival Norwegen und Dias de musica electroacustica Portugal) dokumentieren Stäblers Einfluss und Bedeutung in der zeitgenössischen Musikszene. 

Stäblers Musik verlässt vielfach den Rahmen des Üblichen, indem er Elemente in seine Kompositionen einbezieht, die die gewohnte Aufführungssituation (und damit die herkömmliche Publikumserwartung) durchbrechen, sei es durch Gesten oder Bewegungen im Raum, sei es mittels Licht- und Duftgestaltung oder aktives Einbeziehen des Publikums: Immer kommt es ihm darauf an, die Phantasie anzuregen, Ohren und andere Sinne für neue, unerwartete Wahrnehmungs- und Denkmuster zu sensibilisieren. Die ständige, vertiefende Zusammenarbeit mit Künstlern aus den Bereichen von Bildender Kunst, Video, Literatur und Tanz ist daher ein wesentliches Charakteristikum seines Schaffens.

Foto: © Hartmut Bühler

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